No Border-Aktivistin vor Gericht in den Niederlanden

Eine Genossin, Joke, wurde gestern vor Gericht in den Niederlanden gestellt. Ihr wird „Anstiftung zu terroristischen Akten“ vorgeworfen, da sie Schriften gegen das Grenzregime geschrieben hat.

Weitere Infos über ihren Fall (englisch):

http://indymedia.org.uk/en/2013/01/505310.html

Außerdem gibt es dieses Video:

http://www.youtube.com/watch?v=JcTGdfVAkCM&feature=youtu.be.

Spread the word, in solidarity.

Tägliche Kontrollen gehen weiter

CRS ist zurück, Einheit 5, drei Patrouillenwagen. Sie kommen zu jeder Mahlzeit im Salam, um PAF und / oder Police National zu unterstützen bei der Durchsuchung jeder Person, die essen möchte. Meistens stehen dort mehrere Wagen, umringt von Polizisten, die den Eingang bewachen. Und auf der anderen Straßenseite stehen weitere Wagen. Beobachten. Dies geschieht nun jeden Tag seit Weihnachten, mit keinerlei Hinweis darauf, dass sie diese Körperkontrollen bald einstellen. Die Polizei behauptet, ohne jeden Humor, dies geschehe „zum Schutz der Migranten“.

Es ist naürlich, um Migranten dazu bewegen, nicht mehr zur Essensausgabe zu kommen. Auch wurden Leute schon abgewiesen, den Bereich dieser zu betreten, aufgrund eines „respektlosen“ Verhaltens gegenüber der Polizei, auch beim kleinsten Anzeichen Unwillens.
In dieser Woche hat die PAF erneut einen Squat gestürmt um fünf Uhr morgens. Es scheint, einfach aus Spaß. Sie stürmten den Squat, weckten die Menschen mit Taschenlampen auf und warfen eine Person gegen die Wand, mit dem Verweis darauf, dass sich jene Person beim letzten Mal während der Essensausgabe nicht respektvoll verhalten habe. Die PAF ängstigte die dort schlafenden Leute und gingen dann. Keine Verhaftungen, keine Räumung.
Davon abgesehen, war die Stimmung letzte Woche recht ruhig und gesetzt. Es gab keine weiteren Kämpfe und ebenfalls nicht so viele ID Kontrollen auf denStraßen und Räumungen wie normalerweise. Dafür umso stärker die Fokussierung auf die Kontrollen während der Essensausgabe.
Die letzten Wochen fuhr ein Rad – Soundsystem durch die Straßen, Squats, Jungles und zur Essensausgabe, um Tanz und Spaß zu bringen. Regelmäßiger Sprachenunterricht wurde gegeben. Basketball sessions. Und Workshops mit Menschen.
Unterstützung von inhaftierten Menschen geht weiter. Ebensowie die Abschiebungen, vor allem nach Italien und Osteuropa, aber auch einige nicht – europäische Staaten.
Der Winter ist wirklich hart, es ist immer noch nass, windig und kalt.
Decken, Zelte, warme Schuhe und Jacken werden dringend benötigt. Es kommen immer mehr Menschen mit nichts an, und unser Vorrat neigt sich dem Ende. Die zwei-wöchige Klamottenausgabe der Kirche findet ebenfalls nicht mehr regelmäßg statt und wird bald geschlossen, wenn es nicht bald Unterstützung gibt. Das wäre ein Riesenproblem für die Menschen, viele vertrauen auf dieses Angebot und Versorgung.

„Weißes Haus“ geräumt

Die Kämpfe hörten auf die Situation beruhigte sich. Alle Camps am „Weißen Haus“, der Bereich in der Nähe des Leuchtturms, in dem viele Menschen einen Platz zum Schlagen gefunden haben, wurde nun komplett von der Polizei zerstört – sie beenden nun das, womit die Kämpfe begonnen haben.

Die Behörden, mit der helfenden Hand der Polizei, hat die Situation als Rechtfertigung genommen, um die Schlafplätze und Persönliches der Menschen komplett zu zerstören, egal, ob sie in die Kämpfe involviert waren oder nicht.
Sie benutzten es ebenfalls aus Ausrede dafür, um Extra Kontrollen während der Essensausgabe durchzuführen – jede Person wird vor jedem Mahl durchsucht. Keine Taschen erlaubt. Menschen müssen ihre Nationalität angeben. Jeder, der gegenüber der Polizei ein „respektloses“ Verhalten zeigt, wird der Zugang verweigert.

Drei Tage des Kämpfens am „Weißen Haus“, Camps zerstört

Am frühen Morgen des 24.12.2012 griff eine Gruppe Menschen eine andere am „Weißen Haus“ an, Zelte wurden zerstört und mindestens eine Person musste ins Krankenhaus gehen. Am Nachmittag gingen die ernsthaften Kämpfe weiter und Gegenstände wurden aufeinander geworfen.

Am 25. führten weitere Zusammenstöße zur Schließung der Essensausgabe. Zwei laute Explosionen wurden gehört. Später wurde berichtet, dass die Explosionen von Flashballs und Granten kamen, die die Polizei abfeuerte. Später gab es einen weiteren versuchten Angriff beim „Weißen Haus“, der jedoch nicht erfolgreich war.

Fünfzehn Menschen wurden von der Polizei verhaftet (von denen wir wissen). Die Polizei sagte den Menschen während der Essensausgabe, dass sie innerhalb einer Stunde ihre Zelte zu verlassen hätten oder Verhaftungen befürchten müssten.

Am 26. hing ein Schild von der Behörde am „Weißen Haus“, welches befahl, dass der Bereich bald geräumt werde. Zu diesem Zeitpunkt war die Situatuion bereits entspannter.
Um zur Essensausgabe zu gelangen, muss man sich erst durchsuchen lassen. CRS ist nach unserem Wissen nicht in der Stadt, jedoch ist die Anzahl von Police Nationale und PAF deutlich gestiegen, in kompletter Kampfmontur.
Die lokale Presse verbreitet gruselige Geschichten über die Gefährlichkeit von Migranten n Calais und das “Leiden“ der Nachbarschaft, welche eine Petition gegen die Essensausgabe unterschreiben. Ethnische und nationale Eigenschaften werden als Erklärung der Gewalt hergenommen.
No Border bestreitet dies vehement.
Die Existenz der Grenze verursacht all das Elend derjenigen, die versuchen, nach England zu gelangen, die Knappheiten von Ressourcen und Schlafplätzen eingeschlossen. Außerdem hat es zur Bildung einer „Mafia“ geführt, die um die Kontrolle der Schlafplätze und Grenzübertrittsstellen kämpft.
Solange es eine Grenze gibt, wird es solche Vorfälle immer wieder geben. Rassistische Analysen werden nicht helfen, das Problem zu lösen, nur die Auflösung der Grenzen kann das Problem erleichtern.

Ein Jahr seit dem Tod von Ismael

Es ist jetzt ein Jahr her, dass Ismael, ein junger Äthiopaner, in Calais gestorben ist und noch immer gibt es keine Antwort für seine Freunde oder Familie über das, was geschehen ist.
Er wurde letztes Jahr drei Tage vor Weihnachten tot unter der Brücke im Zentrum Calais gefunden – die Polizei schließt den Fall sehr schnell mit den Worten „Das war Selbstmord“ ab.
Keiner glaubt daran, dass er freiwillig in den Tod gesprungen ist (http://www.indymedia.org.uk/en/2011/12/490534.html?c=on).

Letztes Weihnachten kamen Freunde dort zusammen, wo er starb. Und auch dieses Jahr trafen sich Freunde, um ihm Respekt zu zollen.
Im Jahr 2012 haben wir zwei weitere Freunde verloren. Nourredin aus Darfur, ebenfalls unter verdächtigen Umständen, wurde tot im Fluss Calais‘ in den frühen Morgenstunden eines Tages im Juni aufgefunden. Und auch dieses Mal weigert sich die Polizei eine Untersuchung zu veranlassen und schloß die Akte innerhalb weniger Tage. Wieder mit der Begründung, es sei Selbstmord gewesen, trotz andauernder Proteste seitens der Familie und Freunden. Keiner glaubt daran, dass Nourredin sich selbst umgebracht hat. ( http://calaismigrantsolidarity.wordpress.com/?s=noureddin)

Und ein weiterer Freund wurde im April 2012 umgebracht während eines Kampfes. Für nichts. (http://www.indymedia.org.uk/en/2012/07/497790.html )

Für diese Tode kann es weder Gerechtigkeit noch Entschädigungen geben. Wir wissen zwar nicht die Wahrheit über diese Tode, aber wir wissen dass diese Grenze tötet.
Diese drei Menschen waren bekannt als Menschen, die lange in Calais waren- aber es gibt natürlich unzählige weitere Menschen, die getötet werden durch die rassistische Hand der Einwanderungskontrollen und die Situation, die sie erschafft. In Calais und an allen anderen Grenzkontrollen und Festungen, die brutal eine priviliegierte Minderheit schützen, auf Kosten der anderen.
Diese Menschen werden niemals vergessen werden. Und trotz allem werden immer wieder Menschen widerständig bleiben und täglich für eine bessere Situation kämpfen.

Mafi mushatahil tetta shems – nichts ist unmöglich unter der Sonne!

Lille Demonstration, in Solidarität mit den Hungerstreikenden

Am 22. Dezember gab es in Lille eine Demonstration mit cirka 200 Demonstrationen in Solidarität mit einer Gruppe von 81 Menschen, die sich seit 50 Tagen im Hungerstreik befinden. Sie fordern einen legalen Aufenthaltsstatus. CMS beteiligte sich an der Demo mit einer Samba-Band, die noch von anderen Unterstützern übertrumpft wurden, die Trommeln und Pfeifen benutzten.

Trotz des starken Regens während der Demo herrschte eine gute Stimmung.
Der Verkehr stand stil, als die Demo eine Kreuzung erreichte und dabei sangen, dass die Streikenden gewinnen werden und Hollande die selbe rassistische Politik einführt wie Sarkozy.
Diesen Morgen besetzten die Streikenden eine Kirche, wurden aber von der Polizei geräumt und schlugen anschließend ihre Zelte draußen auf

Update der letzten Wochen — Decken werden dringend benötigt

Die Polizeiüberwachung hat zurzeit etwas abgenommen. Die alltägliche Schikane und Repression gegen Migranten auf offener Straße ist nicht mehr so präsent, dennoch werden immer noch viele besetzte Häuser geräumt. Die Temperatur sinkt dramatisch von Tag zu Tag und es regnet in Strömen. Wegen einer Schneevorhersage wurde das BCMO, eine Turnhalle der Stadt, am 6.12. zum Schlafen geöffnet. Das Wetter ist sehr schlecht, es herrscht starker Wind und eine nasse Kälte in Calais.

Am dringendsten werden daher Decken benötigt. Vor drei Wochen war die Situation zum verzweifeln. Es gab einige Spenden über die letzten Wochen, die in einer Garage gelagert werden. Es werden jedoch dringend weitere gebraucht, da die Decken sehr schnell ausgegeben werden.

Die Unterbringungssituation war ebenfalls sehr unsicher, hat sich aber etwas gebessert, so dass im Moment die meisten eine Unterkunft haben. Einige Menschen haben auch in der Nähe einer Garage geschlafen, was aber der Polizei aufgefallen ist, die daraufhin Decken zerstörte und einen ca. 70 jährigen Migranten brutal auf den Boden warf. Seit niemand mehr in diesem Bereich schläft, kam es aber nicht mehr zu Zwischenfällen.

Weiterhin hat sich der Stützpunkt der PASS-Klinik geändert, welche medizinische Versorgung für Menschen ohne Versicherung bereitstellt. Sie wurde zu einem neuen Krankenhaus verlegt, was vor allem wegen der langen Laufwege zu den Duschen ein Problem darstellt.

Weiterhin ständige Räumungen und es fehlt an allen Ecken und Enden

Wir sind in einer verzweifelten Situation: Noch immer räumt die Polizei
jedes besetzte Haus, in dem die Menschen Zuflucht zumindest für die Nacht über
suchen. Dabei zerstört sie systematisch Decken, Schlafsäcke und
persönliche Gegenstände. Vor einer Woche hat die Polizei die Decken mit
Tränengas eingesprüht, so dass diese unbrauchbar wurden und auch das Haus verlassen werden musste.
Wir brauchen Zelte, Decken, Schlafsäcke, Regenjacken und Schuhe.

Im Abschiebeknast Coquelle befinden sich zur Zeit wenig Menschen.

Es regnet nicht mehr durchgehend, dafür kündigt sich der Winter an: Es
ist sehr kalt und windig, ausserdem neblig.

Grenzfrei – Party ohne Grenzen – 17.11. – Witten

Grenzfrei - Festival

Zum zweiten mal in diesem Jahr veranstaltet die Gruppe Grenzfrei Witten (http://grenzfreiwitten.blogsport.de/) ein kleines Benefiz-Festival im Treff. der Wittener Werkstadt. Am 17. November 2012 wird ab 17 Uhr wieder grenzenlos gefeiert. Mit dabei sind die Wittener Punkbands Dead Koys und Kruste, die Aachener Ska-Punks von Coconut Butts, die ebenfalls aus Aachen stammende Rap Legende Nic Knatterton gemeinsam mit Stevenhill feat. Will G & Billi G, die Progressiv Alternative Band Porter, die Ruhrpott-Rapper Roni 87, Proton und AkzentOne, sowie ein bunter Mix des Mondo Mashup Soundsystem, die bereits bei der ersten Party ohne Grenzen das Publikum zum Tanzen gebracht haben. Zwischen den Auftritten der Künstler werden Kurzfilme und Redebeiträge über die Situation europäischer Flüchtlinge aufklären. Außerdem wird Grenzfrei erneut eine Tombola organisieren und preisgünstig für das leibliche Wohl der Gäste sorgen. Eine Aftershow Party mit mehreren Djs soll anschließend die Grenzen der Nacht austesten. Hintergrund des Festivals ist die Not der Flüchtlinge im nordfranzösischen Calais, welche aufgrund ihrer prekären Lebenssituation dringend materielle und seelische Unterstützung benötigen. Die Eintrittsgelder und die weiteren Einnahmen und Spenden des Abends sollen zu Sachspenden wie Decken, Schlafsäcke, Zelte und Matratzen umgewandelt werden, die vor Ort dringed gebraucht werden.

Einlass: 17 Uhr
Ende: Solange ihr tanzen könnt!
Preis: 3 (um weitere € Spenden wird gebeten)

Bremen: Solikundgebung für Flüchtlinge in Calais war ein Erfolg

Am 13.10. veranstalteten wir eine Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge in der französischen Hafenstadt Calais – Wir sammelten dabei mehr Sachspenden als wir Erwarten haben

Solidarité avec les Sans-Papiers!

Eine ältere Frau bleibt stehen und beobachtet etwas skeptisch das Geschehen auf dem Ulrichsplatz. Da steht ein Pavillon mit einem Infotisch, ein Zelt wurde aufgebaut, davor liegen Decken, Schlafsäcke, Planen und viel, viel warme Kleidung. Einige Leute in pinken Röcken und grellen Warnwesten spielen Samba, ein Transparent verkündet „Solidarität mit den Flüchtlingen in Calais“. Jemand geht auf die Frau zu, drückt ihr einen Flyer in die Hand und erklärt ihr warum wir hier sind:

„Um uns Solidarisch zu zeigen mit Flüchtlingen auf der ganzen Welt und im speziellen mit den Hunderten, die zurzeit in der französischen Hafenstadt Calais auf der Straße leben. Die Menschen, die sich mit der Hoffnung auf ein Leben ohne Hunger, ohne Folter und Krieg auf den Weg nach Großbritanien machen, bleiben häufig über Monate hier hängen. Nacht um Nacht warten sie auf eine Gelegenheit unerkannt in einer Fähre überzusetzen, solange bleiben sie in Calais. Seit 2002 das Lager des Roten Kreuzes geschlossen wurde bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als auf öffentlichen Plätzen, in besetzten Häusern oder selbstgebauten Hütten, den sogenannten „jungles“ zu schlafen. Und als sei das nicht schlimm genug kommt beinahe täglich in den frühen Morgenstunden sie Polizei, vertreibt die Sans-Papiers (Papierlosen) von ihren Schlafplätzen, nimmt Leute fest, zerstört ihr Hütten, macht Decken und Planen durch Pfefferspray unbrauchbar oder verbrennt sogar die Schlafsäcke der Flüchtlinge.

Wir finden, dass jeder und jede das recht haben sollte menschenwürdig behandelt zu werden. Wir denken, dass jeder Mensch das recht haben sollte dahin zu gehen wo er oder sie will. Darum wollen wir heute dafür demonstrieren, dass rassistische Sondergesetze abgeschaft werden und praktisch unsere Solidarität zeigen, indem wir Decken, Schlafsäcke, Isomatten, Zelte und warme Kleidung sammeln und diese nach Calais bringen.“

Die Frau erzählt uns, dass sie noch Decken und Kleidung zu Hause hat, die sie nicht mehr braucht. Es müsste nur jemand die Sachen abholen, das machen wir gerne. Sie bleibt nicht die einzige Interessierte. 500 Flyer verteilen wir an Vorbeigehende. Bis zum 20.10. sammeln wir noch. Die Sachen könne zum Alla Hopp gebracht werden, Hardenbergstraße 52, einfach durch das große Metalltor gehen und die Dinge in den Durchgang legen. Andere haben bereits im Vorfeld von der Aktion gehört und bringen Sachen direkt zum Versammlungsort. Als um 17:00 Uhr die Kundgebung zu Ende ist brauchen wir zwei Autos um die vielen Sachspenden abzutransportieren.

Die Aktion war ein voller Erfolg! Zwischen 30 und 40 Leute nahmen durchgängig an der Kundgebung teil, die um 14:00 Uhr anfing und um 17:00 Uhr endete. Es gab Redebeiträge von Aktivist_innen der Gruppen NoLager-Bremen, der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge, Rythms of Resistance und auch von Menschen die selbst bis vor wenigen Tagen in Calais waren und die Situation der Flüchtlinge vor Ort hautnah miterlebten.