Wenn Zensur zur Regel wird …

Seit einigen Monaten arbeiten neben Freiwilligen Migranten gemeinschaftlich mit der Organisation „Maison Pour Tous“ (MPT) – Ein Haus für alle – an der Organisation eines interkulturellen Festivals mit dem Namen „A l’uni son, united people festival“ zusammen. Ursprünglich war es vom 14. bis 20. Oktober geplant.
Eine Ausstellung mit sechs Künstlern war geplant, ein „Cabaret du peuple“, ein Kabarett bezüglich der Migration in Calais und zwei Konzertabende mit mehr als 10 Bands.
Die Idee hinter dem Festival war es, eine Verbindung zwischen den Menschen aus verschiedenen Kulturen, welche in Calais leben, herzustellen, die Flüchtlinge zu unterstützen und für dieses Thema zu sensibilisieren.

Am Freitag, den 11. Oktober, ein paar Tage vor der Eröffnung, schickte die Bürgermeisterin von Calais an die MPT einen Brief, in dem sie ihre äußerste Ablehnung gegenüber dem Festival kundtat.
Ihrer Meinung nach würde dieses Ereignis nichtmit dem übereinstimmen, was sie und die MPT im Vertrag unterzeichnet hätten. Abgesehen davon behauptet die Bürgermeisterin Natacha Bouchart, dass das Festival ein Untermietvertrag sei und sie nicht rechzeitig informiert wurde.
DesWeiterein sei das Festival eine politische und linke Veranstaltung, welche nicht zum unterzeichnetetn Vertrag mit der MPT passt, da diese lediglich kulturelle Veranstaltungen ausüben dürfen.
Die Bürgermeisterin drohte damit, den Vertrag mit der MPT aufzulösen und setzte die Organisation damit unter enormen Druck.

So verbietet die Bürgermeisterin also jenes Festival, welches von Anfang an extra in einem neutralen Rahmen organisiert wurde, um ein breiteres Bewusstsein unter den Besuchern schaffen zu können.
Die Bürgermeisterin will uns in zwei Hälften teilen, sie versucht eine Kluft herzustellen, indem sie die Bevölkerung erschreckt und den politischen Parteien Angst macht, Wählerstimmen zu verlieren.
Mit einer solchen Handlung leiden einmal mehr die Flüchtlinge, welche wieder einmal ins soziale Abseits gedrängt werden.
Abgesehen davon wird es auch für Hilfsorganisationen in Calais schwieriger, sich mit Flüchtlingen an öffentlichen Orten zu treffen oder eine soziale Veranstaltung zu organisieren.
Es ist unmöglich geworden, einen Raum zur Verfügung gestellt zu bekommen und unmöglich, sich in jenem zu treffen.

Egal, welche Umstände es sind, sobald Flüchtlinge involviert sind, legt die Stadt Calais ein Veto ein und verhindert den Ausdruck der Solidarität auf Kosten der Menschenrechte.

Wir verurteilen diesen Machtmissbrauch und hoffen, dass diese kommunale Zensur nicht ohne Reaktion seitens anderer Hilfsorganisationen und Verbände bleiben wird.

Im französischen Originaltext wird dazu aufgerufen, sich nicht manipulieren zu lassen in den kommenden Kommunalwahlen (Frühjahr nächsten Jahres stehen die Wahlen an).

Wir rufen zu einem friedlichen Protest am Samstag, den 19.10.2013 um 14 Uhr auf.
Wir werden uns symbolisch mit einem Schal knebeln.