Archiv für Februar 2013

In den letzten Wochen Vehaftungen, Räumen und Ausweiskontrollen

In den letzten Wochen gab es mehrere Gruppen an Polizisten, die in den Squats, Jungles und auf den Straßen Calais‘ aktiv waren – indem sie Ausweiskontrollen durchführten, Räumungen und Verhaftungen vornahmen und einige Leute herauspickten und ins Gefangenenlager steckten. Sowohl CRS und PAF (es scheint, als ob es einige neue Gesichter bei der PAF gäbe).

Letzten Mittwoch (30. Januar) wurde ein neuer Squat geräumt und ungefähr 15 Leute verhaftet. Ein NoBorder Mensch wurde verhaftet und wurde verurteilt. Fünf Menschen aus Afghanistan und Pakistan wurden zum Gefangenenlager gebracht und werden diese Woche nach Italien abgeschoben.
Leute aus dem Gefangenenlager beschwerten sich über das Essen, da es nicht halal ist – und die Polizei weigert sich darauf zu antworten, obwohl dies ein konstantes riesiges Problem für Leute ist, die kein halal-Essen essen. Viele Menschen sind aufgrund dieser Bedingungen in den Hungerstreik getreten.

Am Samstag (2.Februar) räumte die PAF den größten Afrika-Squat. Keine Festnahmen.

Am Sonntag (3. Februar) wurde einige Afghanen von der Straße weg verhaftet und sind noch immer nicht aufzufinden. Sie sind nicht im Gefangenenlager und Freunde können sie ebenfalls nicht erreichen.

Am Montag (4. Februar) wurde der ägyptische Squat von der PAF geräumt, sechs Leute wurden verhaftet. Alle wurden am selben Tag freigelassen. Am Nachmittag rauschte die PAF durch das Shoppingcentre in der Innenstadt, wo sich zur Zeit viele Menschen aufhalten, um nicht im Regen sein zu müssen.
Alle Menschen, die migrantisch aussahen, wurden zusammengetrieben und dann deren Ausweise kontrolliert. Zwei Menschen wurden verhaftet.

Einige Menschen sagen, dass eine Person aus dem Iran von der Polizei an der Grenze verprügelt wurde. Und diese Menschen haben nun den Kontakt zu dieser Person verloren.

La Belle Etoile sagt, dass sie vom ersten März an schließen werden: Im Moment geben sie Essen raus von Montag bis Freitag. Es ist nicht klar, ob andere Organisationen in der Lage sein werden, La Belle Etoile zu ersetzen (sie haben Lunch / Mittagessen herausgegeben).
Sechs Monate lang gab es kein Frühstück für die Menschen (abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen).

Wetter ist grimmig: Starker Wind, harte Hagelstürme und sehr kalt.

Wir brauchen dringend Schlafsäcke, Decken und Zelte!

Es ist ungefähr 300 Menschen in Calais. Versprengt. Es gibt viele kleine Squats – immer wieder geschlossen, neu eröffnet oder an einem anderen Platz verlegt. Es war noch nicht möglich, einen Platz länger zu halten.

Es gibt nun mehr verschiedene Jungles, nahe beim Hafen. Einige alte Camps wurden wieder besetzt.

Solidarität mit den Sans-Papers!

Aufgrund vieler Nachrichten und Verpflichtungen, die unser Kampf leider weiterhin von uns
fordert, haben wir die Protestschreie des Widerstands der Illegalisierten, die in den französischen Städten Lille und Calais in den Hungerstreik getreten sind, zu spät gehört und sind deshalb beschämt vor unseren Leidensgenossen. Heute verkünden wir, mit der Bitte an jede und jeden, diese Nachricht an euch weiter zu tragen:
Mitstreiter_innen und Leidensgenoss_innen: Hinter eurer mutigen Bewegung stehen
bedingungslose Unterstützung, zehn Monate des Widerstands und die wärmsten Grüße von
Protestierenden in Deutschland, Österreich und Holland. Wir haben erfahren, dass ihr mehr als 70 Tage im Hungerstreik ausgeharrt und unter den Peitschenhieben der Zeit gelitten habt, um das einzufordern, was beileibe euer Recht ist. Wir wissen auch, dass ihr unter dem selben System leidet, das dort als der französische Staat über euch herrscht. Die Nachricht davon, dass einige von euch Protestierenden noch während des Hungerstreiks von dem verbrecherischen Frankreich deportiert wurden, haben bei uns sowohl Solidarität als auch Wut entfacht. Wut über ein System, das unserem Leben feindselig gegenüber steht, und Solidarität mit eurem wunderbaren Geist des Widerstands.
Mit demselben Gefühl der Solidarität und der Wut, das uns durch und durch erfüllt, wollen wir euch wissen lassen: Eure Mitstreiter_innen in Deutschland, Österreich und Holland verfolgen
aufmerksam euren Widerstand, also fühlt euch auf eurem Wege nicht allein!
Die französische Regierung, die sogar den schweren Namen „Sozialismus“ im Schlepptau hat, ließ vor einiger Zeit den Instinkt der Unterdrückung wieder erwachen und ist nun militärisch in Mali einmarschiert. Damit löst sie eine neue Fluchtwelle auch nach Frankreich aus, um gewiss in naher Zukunft wiederum eine Armee von Illegalisierten zurück nach Mali zu deportieren.
Obwohl zwar nicht alle, jedoch die meisten politisch aktiven Europäer_innen mehr reden als
handeln, in Hauskommunen oder in Cafés wie Intellektuelle hängen geblieben sind und den Titel eines politisch Aktiven hinter sich her schleppen.Gewiss kann niemand unter jenen das empfinden , was wir wie das Blut in unseren Adern spüren, das Gefühl eines erzwungenen Tod, der uns erwartet. Obwohl alle Bürger_innen dieses Kontinents tagtäglich immer mehr durch dieses System verdorben und in einem Räderwerk gefangen werden, sodass sie vergessen, unsere Bürger_innen- und Menschenrechte bei den Staaten einzufordern, denen sie ihre Stimmen und ihre Steuern geben, und wodurch sie indirekt an unserer Misere beteiligt sind, weil dieses System immer noch standhaft bleibt und weiterhin Unterdrückung reproduziert:
Seid euch gewiss und glaubt daran, dass es Menschen wie euch auch an anderen Orten gibt, die so wie ihr nichts zu verlieren haben außer ihren Ketten!
Wir alle haben bereits einmal verschiedenste Grenzen mit den unterschiedlichsten Gefahren – ja sogar der Gefahr des Todes – gebrochen und sind schließlich hier angelangt. Somit bringen wir diesen inoffiziellen Grenzen auch zu eurer Unterstützung keinerlei Respekt entgegen. An dem Tag, an dem ihr nach uns ruft, werden wir an eurer Seite stehen! So lasst uns den Kontakt zueinander herstellen!
Solidarität mit dieser Bewegung und für das Erringen der Rechte der Illegalisierten in Österreich, Holland und Frankreich!
Widerstand und Kampf
Freiheit und Gleichheit
Die Illegalisierten Europas – Deutschland