21.09.: Bericht von aktueller Situation

Schlafplätze in der Essensausgabe

Da es seit der Räumung des Africa Houses keine leerstehenden Häuser mehr gibt, in denen Sans-Papiers unterkommen können, schlafen die meisten von ihnen, mehrere Hundert Personen, immer noch auf und in der Nähe des Geländes der Essensausgabe. Die wenigen Plätze unter den Dächern sind schon längst vergeben, so dass nun auch Zelte aufgestellt werden und andere Menschen ohne Zelte, in Decken gewickelt, auf dem nackten Zementboden schlafen müssen. Jeden Morgen um 7 Uhr kommen ein oder zwei Autos der Grenzpolizei (PAF), um die Sans-Papiers durchzuzählen. Am Morgen des 20.09. allerdings kamen weit mehr Grenzpolizist_innen gemeinsam mit Einheiten der Bereitschaftspolizei (CRS) auf das Gelände der Essensausgabe. Anderhalbstunden lang sprachen sie zu jeder einzelnen Person und notierten deren Namen, Nationalität und Alter, jedoch ging all dies ohne Verhaftungen vor sich (was für Calais eine Seltenheit darstellt).

In letzter Zeit hat sich die Polizei besonders auf die Verfolgung von „Schlepper_innen“ festgefahren. Viele Personen wurden zu Haftstrafen verurteilt, obwohl sie eigentlich nur an der Überquerung des Ärmelkanals interessiert waren. CalaisMigrantSolidarity besucht die Gerichtsverhandlungen regelmässig.

Am 21.09. führte Médécins du Monde (Ärzte der Welt) eine Aufräumaktion auf dem Gelände der Essensausgabe durch, welches durch die permanente Nutzung von Hunderten von Menschen sehr verschmutzt war. Danach wurden Schlafsäcke an alle verteilt. Die Aktion wurde von Beamt_innen der Grenzpolizei beobachtet.

Schlafplätze gegenüber der Essensausgabe

Im Moment ist die Situation in Calais nicht gut. Mehr und mehr Sans-Papiers kommen nach Calais ohne, dass es einen Ort gibt, an dem sie schlafen können, und ohne Decken. Oft geht der Essensausgabe das Essen aus, bevor alle etwas bekommen haben. Die Menschen sind müde, hungrig und mit den kälter werdenden Tagen, werden viele von ihnen krank. Im Moment sind auffällig viele Sans-Papiers verletzt. Es ist schon fast an der Tagesordnung, gebrochene Arme oder Beine oder verbundene Hände und Finger zu sehen.

Aber es gibt auch aufmunternde Momente. Musik, Tanzen, auf dem Feuer kochen, Fahrräder werden gemeinsam repariert, Sprachen werden beigebracht, Schachspiel, Kartenspiele, Bücher lesen, ein gemeinsamer Tee, DIY-Haarschnitte…

Gebraucht werden im Moment besonders: Zelte, Plastikplanen, Schlafsäcke, Werkzeug (besonders Fahrradwerkzeug und Fahrradmaterialien), Kameras, Handy-Aufladegeräte, Spiele…

Und falls ihr freie Zeit habt, würden wir uns sehr freuen, euch hier zu sehen! Es gibt so viel zu tun!