Archiv für März 2012

Africa House

Nachdem der Abriss des Africa Houses schon im Februar gerichtlich genehmigt wurde, kam die Polizei alle paar Tage und zählte die MigrantInnen, die dort schliefen und begutachtete das Gelände. Mitte März wurden die leerstehenden Universitätsgebäude, in denen etwa 60 Personen untergekommen waren, dann endgültig geräumt. Nach französischem Gesetz ist es während der Kälteperiode vom 1. November bis zum 15. März nicht zulässig, besetzte Häuser zu räumen. Genau am 15. März, mit dem Ende der gesetzlichen Kälteperiode kamen die Polizeieinheiten der CRS sowie PAF am frühen Morgen, um alle Personen auf die Straße zu setzen. Personen mit weißer Haut, egal ob sie einen Pass vorzeigen konnten, wurde etwas Zeit gegeben zurückgelassene Gegenstände und Decken einzusammeln, während alle Menschen mit schwarzer Haut, selbst wenn sie Papiere vorweisen konnten, des Geländes verwiesen wurden. Der Sub-Präfekt und MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung rieten den MigrantInnen Asyl in Frankreich zu beantragen und boten insgesamt neun Schlafplätze in Sammelunterkünften an.
Die darauf folgende Nacht verbrachten die meisten der Menschen, die vorher im Africa House untergekommen waren, auf dem Gelände der Essensausgabe. Nachdem die ganze Nacht hindurch Polizeiautos vorbeigefahren und die Schlafenden mit Strahlern einzuschüchtern versuchten, kamen sie am Morgen auf das Gelände, schrieben die Namen aller Anwesenden auf und drohten ihnen, sie sollen die Essensausgabe verlassen. Nachmittags wurden dann die restlichen Verbliebenen von der Polizei gewaltsam von dem Gelände gezerrt.
Auch in den folgenden Nächten fanden die MigrantInnen keine Ruhe. Sie fanden zwar leerstehende Häuser, in denen sie die Nacht verbringen könnten, jedoch wurden sie immer wieder von der Polizei auf die Straße gesetzt.

Abschiebungen in den Sudan

Am 16. Februar wurden vier Personen aus Calais und aus Paris in den Sudan abgeschoben. Eine weitere Person konnte sich gegen die Abschiebung wehren. Jahrelang hatte Frankreich keine Abschiebungen in den Sudan durchgeführt,, da die Situation dort zu gefährlich ist. Dies ist die erste Abschiebung dieser Art seit Langem. Wie die aktuellen Ausschreitungen zeigen, bleibt die Situation im Sudan, trotz der Unabhängig des Südsudan, weiterhin sehr instabil und jegliche Abschiebungen dorthin müssen unterlassen werden!
Die Person, die sich gegen ihre Abschiebung wehren konnte, sollte daraufhin am 21. Februar das Flugzeug in Paris besteigen. Jedoch fiel der weiterführende Flug von Frankfurt nach Khartoum aus und so wurde sie zurück in den Abschiebeknast nach Coquelle, bei Calais gebracht. Weitere MigrantInnen aus dem Sudan sind in dem überfüllten Abschiebeknast in Coquelle und befürchten eine Abschiebung in den Sudan. AktivistInnen von CalaisMigrantSolidarity besuchen die Inhaftierten regelmäßig. Dort hören sie Sätze wie: „Ich bin aus der Hölle geflohen, in die Hölle gekommen (Frankreich), und jetzt soll ich zurück in die Hölle gezwungen werden!“, „ Schickt mich nach Italien oder Griechenland, nur nicht in den Sudan!“
Am 2. März fand in Calais eine Lärmdemonstration vor dem Gebäude der Präfektur statt. Der Präfekt hat unter Anderem bei Abschiebungen und Asylanträgen das letzte Wort. Etwa 25 DemonstrantInnen forderten das Ende von Abschiebungen und insbesondere keine weiteren Abschiebungen in den Sudan. Als die Demonstration weiter in die Innenstadt zog, wurde ein Transparent von der Shoppingmall gehängt, um so die Aufmerksamkeit der einkaufenden Menge auf das Thema zu ziehen.