Archiv für Oktober 2011

27.10. – Afrikahaus steht kurz vor der Räumung!

Nachdem im Juni das letzte Afrikahaus von der Polizei geräumt wurde, steht dem aktuellen Afrika Haus die Räumg kurz bevor. Einige Dutzend Sans-Papiers, vor allem aus dem Sudan, leben momentan in den leerstehenden Fabrikhallen, welche im Sommer besetzt wurden. Ironischerweise ist der Eingang zu diesem Gebäudekomplex erst durch den Abriss eines früheren Afrikahauses freigelegt worden.
Momentan sind zwei CRS-Kompanien gleichzeitig in Calais und haben sich auch schon in den Räumlichkeiten umgesehen, wahrscheinlich um die Räumung vorzubereiten. Ausserdem hat ein Anwalt einen Räumungsbescheid an die Tür des besetzten Hauses gepinnt – eine legale Notwendigkeit vor einer Räumung, welche nun zum ersten Mal in der Geschichte der Hausbesetzungen durch Sans-Papiers in Calais beachtet wurde. Der Bescheid besagt, dass Räumung von nun an jederzeit losgehen kann.

Besonders in den kalten Monaten ist es ein Skandal, dass eine große Anzahl von Sans-Papiers aus diesem Haus auf die Straße gesetzt werden sollen, wo sie keinerlei Schutz vor der Witterung haben. Ausserdem ist davon auszugehen, dass die Polizeiaktionen mit einer Vielzahl von gewalttätigen Festnahmen vonstatten gehen wird.
Besonders jetzt wird in Calais eure Initiative benötigt – Sammelt Zelte und Schlafsäcke und fahrt hin, um die Polizeirepression zu dokumentieren!

Mitte Oktober – Neues aus Calais

Nachdem die Zahlen der MigrantInnen innerhalb Calais‘ in den letzten Monaten etwas gesunken sind, scheinen momentan wieder mehr in der Stadt zu sein. Dies könnte daran liegen, dass die Polizeirepression gegen die MigrantInnen in einigen Orten ausserhalb Calais‘ gestiegen ist. Auffällig ist auch, dass zur Zeit deutlich mehr Frauen und Minderjährige, sowie Familien mit Kleinkindern anzutreffen sind. Sie alle leben bei den sinkenden Temperaturen und dem windigen, regnerischen Wetter
dieser Tage ohne genügend Schutz vor der Witterung im Freien. Nachdem der Oktober in Calais mit auffallend wenig Polizeirepression begann, wurden doch mehr und mehr Festnahmen und Kontrollen bekannt. Beispielsweise beobachteten CMS-AktivistInnen wie einige MigrantInnen auf der Strasse kontrolliert wurden und ihre Telefonladegeräte von der Polizei konfisziert wurden.
Einige CMS-AktivistInnen besuchten dieser Tage zwei ausserhalb von Calais liegende Jungles. In St. Omer ist die Situation seit Monaten und wahrscheinlich Jahren gleichbleibend desaströs. An die 30 Personen, im Moment auch zwei Familien mit Kleinkindern, leben dort in Verschlägen aus Plastikplanen in einem Graben zwischen
zwei Feldern. Lokale Hilfsorganisationen versorgen die Menschen mehrmals wöchentlich mit Nahrung und Kleidung, jedoch scheint es ihnen nicht möglich zu sein, die Lebensbedingungen in diesem Jungle grundlegend zu verändern, was allerdings
für den Winter dringend nötig wäre.
In Steenvord stellt die Hilfsorganisation einen Saal zur Verfuegung, in dem die 30 Personen aus dem örtlichen Jungle tagsüber kochen, Wäsche waschen, Tee trinken oder einfach der feuchten Kälte entkommen können. In einigen Wochen werden die MigrantInnen von ihrem Jungle ausserhalb des Ortes in einen von der Stadt errichteten Jungle ziehen, in dem sie den Winter besser überstehen können, da Gasheizungen etc instaliert werden. In dieser freundlichen Atmosphäre wurden wir zu netten Gesprächen und einem leckeren Abendessen eingeladen, welches selbstgekocht war und damit weit besser als die täglich gleichen wenig nahrhaften Speisen der Hilfsorganisationen in Calais.