Archiv für Februar 2011

22. Februar – ein Toter an der Grenze

In der Zeitung von Calais wurde vor einigen Tagen vom Tod eines 24-jährigen Mannes aus Kabul berichtet.
Anscheinend fuhr er in der Nacht von Montag auf Dienstag mit einem britischen Auto durch Calais, als er von der Grenzpolizei angehalten wurde, da er nicht angeschnallt war. Obwohl er einen italienischen Pass hatte, versuchte er der Polizei zu entkommen. Er rannte einige Meter und sprang dann in den Kanal, der das Zentrum Calais‘ umgibt. Drei PolizistInnen sprangen ihm hinterher, konnten ihn aber in der Dunkelheit nicht finden. Er ertrank. Seine Leiche wurde später entdeckt.
Sein Mitfahrer konnte entkommen.
Die offiziellen Medien sind der Meinung, dass die Polizei ihn für einen Menschenschmuggler gehalten haben muss.

Mehrere Verletzte während Polizeiübergriffen am 9. und 10.2.

Am Morgen des 9. Februars gab es erneut einen gewalttätigen Übergriff der CRS (Polizei). Im Palestine House, einem halbabgerissenen Warenhaus, in dem vor allem Menschen aus Palästina leben, wurden drei Menschen auf brutale Weise direkt verhaftet, ein minderjähriger Junge erlitt eine Verletzung an der Hand. Währendessen versuchten zwei weitere Menschen an einem Gitter aus dem ersten Stock auf die Straße zu entkommen. Da das Gitter aus der Wand herausbrach, fielen beide Männer auf die Straße. Einer der beiden brach sich den Arm, der andere trug Verletzungen am Kopf und eine gebrochene Nase davon, beide haben außerdem Verletzungen im Gesicht. Hierbei ist nicht klar, welche der Verletzungen durch den Sturz zustandekamen, und welche während der Verhaftung durch die Polizei zugefügt wurden. Sie wurden ins Krankenhaus eingeliefert und sind mittlerweile wieder zurück im Palestine House. Auch die anderen, die verhaftet wurden, sind mittlerweile mit einer Menge Wut im Bauch wieder zurück.

Am Donnerstag, den 10. Februar, gab es einen großen Polizeiübergriff auf das Africa House, in dem vor allem Menschen aus dem Sudan unterkommen. Hierbei wurden etwa 20 Personen festgenommen. Ein Mann fiel bei dem Versuch zu fliehen, er ist jetzt im Krankenhaus. Er hat Verletzungen an beiden Händen, einen gebrochenen Fuß, zwei abgebrochene Zähne und viele blaue Flecken. Auch emotional geht es ihm, verständlicherweise, sehr schlecht.

Diese Übergriffe stellen keine Ungewöhnlichkeit dar. Es kommt in Calais meistens täglich zu derlei Aktionen der Polizei, welche mehr oder weniger gewalttätig ablaufen können. Oft verletzen sich dann Sans-Papiers beim Wegrennen. So wird es den Menschen über Wochen hinweg unmöglich gemacht, in Ruhe zu schlafen oder beieinanderzusitzen. Außerdem stellen diese Übergriffe für sie nicht nur eine Gefahr für ihre Gesundheit und ihre Weiterreise nach Großbritannien dar, zusätzlich zerstört die Polizei oft Schlafsäcke und persönliche Gegenstände.

Verfolgungsjagden nach der Essensausgabe

Donnerstag Morgen (3.2.2011) versuchte die Polizei Sans-Papiers in den umliegenden Straßen der Essensausgabe zu verhaften. Auf dem Platz der Essensausgabe verteilen ortsansässige Hilfsorganisationen dreimal täglich kostenlos Essen. Es gibt eine Absprache zwischen den Organisationen, der Stadtverwaltung und der Polizei, dass Menschen weder auf dem Weg zur Essensausgabe noch von dort weg verhaftet werden. Trotzdem wurden nach dem Frühstück Sans-Papiers auf dem Nachhauseweg von den CRS-Einheiten umzingelt. Auch am Africa House und an der Turnhalle, die die Stadt im Winter für obdachlose Flüchtlinge öffnet, hat die Polizei versucht Menschen ohne Papiere zu verhaften. Es kam zu Verfolgungsjagden, bei denen Wegrennende von den Polizeieinheiten geschlagen, getreten und über den Boden gezerrt wurden. Beim Wegrennen verletzte sich ein Mann das Bein, er wurde daraufhin verhaftet, ein Krankenwagen wurde nicht gerufen. Ein anderer Mann lag bewusstlos am Boden und wurde auch ohne ärztliche Hilfe verhaftet. Bei dem Versuch diese Szene zu filmen, wurde einer Aktivistin die Kamera aus der Hand geschlagen.

In der letzten Zeit scheinen die Polizeiaktivitäten gewalttätiger zu werden. Neben den gestrigen Ereignissen, verlor im letzten Monat ein 13-jähriger Junge auf der Flucht vor der Polizei einen Finger. Ausserdem werden zwei Teenager vermisst, die in einem Abwasserrohr versucht hatten sich vor der Polizei und den suchenden Hunden zu verstecken. Sie sind wahrscheinlich ertrunken.