Radio-Interview

Radio Interview mit einer Aktivistin über Calais

http://rdl.de/index.php?option=com_content&view=article&id=22660:Repressionsherbst_gegen_Gefluechtete_am_Aermelkanal&catid=276:focus-europa&Itemid=503

Video

Ein Video über die vergangenen Tage in Calais

http://www.youtube.com/watch?v=lxx4QOHn4ug

No Border Squat wird geräumt

Dienstag nachmittag wurde die Entscheidung zur Räumung des Squats in Victor Hugo 51 bekannt gegeben. Dieser Squat ist ein sicherer Platz für Frauen und ihre Kinder.
Es war keine Überraschung, dass diese Entscheidung gefällt wurde, wenn man sich die politische Ausrichtung der Stadt anschaut. Wir erwarten auch schon keine Lösungen mehr seitens des Staates. Der Prozess hin zu dieser Entscheidung war mehr als konfus und schuf Gefühle von Unsicherheit, Wut und Ärger seitens der Bewohner desHauses. Zu dieser Zeit haben wir nicht mal die schriftliche Entscheidung gesehen (es wurde auch nichts an unseren Anwalt gegeben), wir haben es durch die Presse erfahren.

Um 8:30 haben sich Leute vor dem Gerichtsgebäude zusammengefunden, um ihren Support auszudrücken. Wir sind sehr glücklich gewesen, diesen lokalen Support zu erleben! Sie haben ihre Wut und Frustration mit uns gteilt über diese andauernde Repression gegenüber Migranten in Calais und der Mangel an Würde, den die Stadt Flüchtlingen gegenüber zeigt.

Wir warten auf weitere Informationen und werden euch auf dem Laufenden halten.

Tägliche Kontrollen

Fast jeden zweiten Tag kommt die Polizei in den Paschtun Jungle.
Bis jetzt wurde er noch nicht geräumt,doch geschehen jedes Mal Festnahmen, die teilweise in Freilassungen, teilweise im Abschiebeknast enden.

Anfang letzter Woche wurden zwei Afghanen wieder in den Abschiebeknast in Coquelles gesteckt.

Teile des Erithrean Jungle wurde geräumt.

Es wird kälter und kälter in Calais. Die Leute werden kontinuierlich aus den bestzten Häusern geräumt und es gibt kaum Zelte, in denen sie schlafen können. Auch Decken sind rar geworden, viele der Organisationen geben keine mehr heraus oder aber haben ihre „Distribution“ Zeiten verringert.
Es gibt keinen Platz,wo sich die Menschen aufwärmen oder eine Tasse Tee in aller Ruhe trinken können.

Die La Pass Klinik hat ihre Duschen geschlossen, welche von den Menschen oft benutzt wurden, da es sonst nur eine andere Möglichkeit einer heißen Dusche gibt. Die jedoch auch nur funktioniert, wenn sie mit Autos der Organisation Secour Catholique zu eben jenen gebracht werden.

Bald wird das BCMO öffnen (eine alte Sporthalle, die immer dann abends ab 19 Uhr geöffnet wird, wenn die Temperatur auf -4° gefallen ist), dieses hat jedoch auch nur Platz für 150 Leute.
Und es leben defintiv mehr als 150 Leute in Calais.

Faschisten-Demo

Über die Facebook Seite „Sauvons Calais“ (https://www.facebook.com/pages/Sauvons-calais/1434922993402093?fref=ts) wurde der Aufruf zu einer Demonstation gegen Migranten und Flüchtlinge in Calais gestartet.
Erst sollte sie am 7. Dezember stattfinden, nun wurde sie auf dem 18. Januar verschoben.

Reportage über Calais

Es geht um die syrischen Flüchtlinge in Calais und einen Besuch im NoBorder Squat sowie ein kurzes Interview mit Natascha Bouchart.

http://www.canalplus.fr/c-infos-documentaires/pid3847-c-la-nouvelle-edition.html

Klick auf “Part. 3 Sages-Femmes en colère”.

Antwort

Der Aufruf, den Natacha Bouchart letzte Woche auf Facebook gestartet hat, ist das Neueste, was sie sich in ihrer Mission, Calais von Flüchtlingen zu „säubern“, hat einfallen lassen.

Indem sie Angst unter der Bevölkerung verbreitet, stachelt sie die Bewohner Calais‘ dazu an, ihr dabei zu helfen, die Flüchtlinge zu vertreiben. Und zwar indem die Menschen ihr Mails schreiben, direkt, wenn sie sehen, dass die Flüchtlinge Unterschlupf gesucht haben. Ihre Begründung ist, dass, wenn dies nicht geschieht,werden an die 1000 Migranten in Calais sein an Weihnachten.

Schreib der Bürgermeisterin und teile ihr mit,was du denkst:

securitesquatcalais@gmail.com

Dies ist ein Beispiel-Brief auf französisch:

“Bonjour,

J’ai pris connaissance avec incrédulité et effroi de l’information concernant votre demande de dénonciation et souhaite par le présent courriel vous faire part de ma profonde désapprobation sur cet appel à délation.

Je suis choquée et horrifiée de constater qu’une maire d’une ville française fait appel à des méthodes dignes d’un autre régime. La délation est un instrument utilisé dans pas mal de régimes totalitaires, d’extrême droite (Parti national socialiste d’Hitler) ou d’extrême gauche (STASI du Parti Communiste en République démocratique d’Allemagne) . Il s’agit d’une arme qui fait appel à des bas instincts et fait preuve d’une grande faiblesse des personnes qui y ont recours.

Dans le réel espoir que vous renfoncerez à cette méthode de répression.

Bien à vous”

(Übersetzung: Mit Horror und Unglauben habe ich gelesen, dass Sie auf Facebook Leute dazu aufrufen, besetzte Häuser zu denunzieren. Ich schreibe Ihnen, um meine absolute Missbilligung auszudrücken.
Ich bin schockiert und entsetzt, dass ein_e Bürgermeister_in solche Methoden verwendet. Die Denunzierung war das Instrument von totalitären Regimes, beispielsweise wurde sie unter Hitler eingesetzt und auch unter der STASI.

Es ist eine Waffe, welche an die Urinstikte geht und zeigt den fehlenden Charackter der Person,die sie einsetzt.

In der Hoffnung, dass Sie darüber nachdenken werden,

mit freundlichen Grüßen,“

Natacha Bouchart und Facebook

25. Oktober 2013
Natacha Bouchart, die Bürgermeisterin von Calais veröffentlicht auf Facebook eine Emailadresse, an die sich Bürger_Innen wenden können, sollte ihnen das Besetzen von Häusern ein Dorn im Auge sein

Es ist eine Facebook-Nachricht, die Natacha Bouchert am Mittwoch, den 23. Oktober, veröffentlicht. Eine Art wie sich die Bürgermeisterin (Mitglied der Partei UMP) den Bürgern und Bürgerinnen von Calais zeigt. Sie fordert die Menschen auf, darüber Auskunft zu geben, sollten sie Migranten dabei beobachten, wenn diese ein Haus besetzen und/oder anscheinend in einem der Häuser der Stadt leben.

“Ich spreche jeden Bürger an, der bezüglich der vielen migrantischen Hausbesetzungen besorgt ist. Die Situation ist kompliziert, deshalb tun wir das Maximum für Sie. Zögern Sie nicht uns eine Email an die folgende Adresse zu schicken:

securitesquatcalais@gmail.com

Die Polizei ist in der Lage einzugreifen und durch ein spezielles Verfahren ist es möglich innerhalb von 48 Stunden Instruktionen geltend zu machen und den Platz zu räumen.“

Natacha Bouchart ist überzeugt, dass es bei dieser Nachricht um die Herstellung von Sicherheit geht: “Wir hatten Dramas, wir hatten sogar einen Mord in einem besetzten Haus. Wir möchten nicht, dass sich die Squats etablieren und wir so menschliche Dramas verhindern. Es gibt große Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen. Sie kämpfen. Es werden mehr Morde geschehen. Es gibt Kämpfe zwischen den Migranten, Migranten, die töten oder sich überall in der Stadt Schlägereien mit 50 Leuten liefern”

Sie fügt hinzu, dass diese Art von Denunzierung legal ist, seit Juli 2012. „Das ist das selbe Verfahren wie wenn jemand in ein Haus einbricht.“

http://nord-pas-de-calais.france3.fr/2013/10/24/la-maire-de-calais-poste-sur-facebook-une-adresse-e-mail-pour-denoncer-les-migrants-squatteurs-345089.html

Selbst die einfachste Unterkunft wird zerstört

Artikel aus der Zeit von Chris Grodotzki

In Calais stranden Flüchtlinge, die von Frankreich nach England wollen. Eine beispiellose Vertreibungskampagne sorgt jedoch dafür, dass die Flüchtlingszahlen sinken.
Vor Lampedusa kentert ein Flüchtlingsboot nach dem anderen. In Hamburg kontrolliert die Polizei Menschen, die wie Afrikaner aussehen, um die herauszufiltern, die illegal von ebendieser Insel nach Deutschland kamen. Vor dem Brandenburger Tor protestieren 29 Asylbewerber im trockenen Hungerstreik. Die Auswüchse der prekären europäischen Einwanderungspolitik manifestieren sich an vielen Orten. Im nordfranzösischen Calais ungewöhnlicherweise durch einen Rückgang der Flüchtlingszahlen.

Dabei ist Calais, an der engsten Stelle des Ärmelkanals gelegen, seit jeher der Dreh- und Angelpunkt des Personenverkehrs zwischen dem europäischen Festland und Großbritannien. Die Stadt zieht deshalb neben Touristen, Truckern und Geschäftsreisenden auch diejenigen an, die keine Einreisegenehmigung bekommen. Tausende „illegaler“ Migranten, Geflüchtete aus aller Welt, haben in den vergangenen Jahren versucht, von Calais weiter nach Großbritannien zu gelangen.

Viele von ihnen sind wegen der kolonialen Vergangenheit, familiärer Bande oder schlicht wegen ihrer Sprachkenntnisse mit England verbunden. Deshalb versuchen sie, auf oftmals waghalsigen Wegen über den Kanal zu kommen. Aber diese letzten 34 Kilometer der oft jahrelangen Odyssee werden oft zur unüberbrückbaren Hürde. Denn die Seegrenze Calais-Dover ist wohl der bestbewachte Grenzübergang innerhalb der Europäischen Union. Mit Hunden, Herzschlagdetektoren, LKW-Röntgengeräten und Atemluftscannern machen Grenzschützer auf beiden Seiten des Ärmelkanals Jagd auf die blinden Passagiere. Im ersten Halbjahr 2009 wurden beispielsweise allein bei LKW-Kontrollen mehr als 14.000 Menschen festgenommen, die den Kanal ohne Papiere überqueren wollten.
Mehr Menschen aus Zentralafrika und Syrien

Zum Brennpunkt der undokumentierten Migration in Europa wurde Calais erstmals in den 1990er Jahren, als Flüchtlinge aus dem zerfallenden Jugoslawien in die Hafenstadt strömten. Seitdem ist die Community der sogenannten Transit-Migranten in ständiger Bewegung, sowohl was ihre Größe als auch ihre Zusammensetzung betrifft: Nach den Kosovaren kamen die Afghanen, dann die Sudanesen, Eritreer, Lybier und Iraner. Mittlerweile wird der Anteil der Menschen aus Zentralafrika und Syrien immer größer.

Im Jahr 2002 wurde das Auffanglager des Roten Kreuzes in Sangatte geschlossen. Das Camp, das für 200 Menschen ausgelegt war, musste zeitweise für mehr als 1.800 herhalten. Die Schließung war vor allem eine Folge der „Tolérance zéro“-Agenda des damaligen französischen Innenministers Nikolas Sarkozy. Außerdem machte Großbritannien Druck. London und Paris einigten sich schließlich: Frankreich schließt die Notunterkunft und im Gegenzug, „wird Britannien aufhören, so attraktiv zu sein“, wie sich der damalige Innenminister David Blunkett ausdrückte. Das britische Asylgesetz wurde verschärft.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/calais-fluechtlingslager-vertreibung

Wenn Zensur zur Regel wird …

Seit einigen Monaten arbeiten neben Freiwilligen Migranten gemeinschaftlich mit der Organisation „Maison Pour Tous“ (MPT) – Ein Haus für alle – an der Organisation eines interkulturellen Festivals mit dem Namen „A l’uni son, united people festival“ zusammen. Ursprünglich war es vom 14. bis 20. Oktober geplant.
Eine Ausstellung mit sechs Künstlern war geplant, ein „Cabaret du peuple“, ein Kabarett bezüglich der Migration in Calais und zwei Konzertabende mit mehr als 10 Bands.
Die Idee hinter dem Festival war es, eine Verbindung zwischen den Menschen aus verschiedenen Kulturen, welche in Calais leben, herzustellen, die Flüchtlinge zu unterstützen und für dieses Thema zu sensibilisieren.

Am Freitag, den 11. Oktober, ein paar Tage vor der Eröffnung, schickte die Bürgermeisterin von Calais an die MPT einen Brief, in dem sie ihre äußerste Ablehnung gegenüber dem Festival kundtat.
Ihrer Meinung nach würde dieses Ereignis nichtmit dem übereinstimmen, was sie und die MPT im Vertrag unterzeichnet hätten. Abgesehen davon behauptet die Bürgermeisterin Natacha Bouchart, dass das Festival ein Untermietvertrag sei und sie nicht rechzeitig informiert wurde.
DesWeiterein sei das Festival eine politische und linke Veranstaltung, welche nicht zum unterzeichnetetn Vertrag mit der MPT passt, da diese lediglich kulturelle Veranstaltungen ausüben dürfen.
Die Bürgermeisterin drohte damit, den Vertrag mit der MPT aufzulösen und setzte die Organisation damit unter enormen Druck.

So verbietet die Bürgermeisterin also jenes Festival, welches von Anfang an extra in einem neutralen Rahmen organisiert wurde, um ein breiteres Bewusstsein unter den Besuchern schaffen zu können.
Die Bürgermeisterin will uns in zwei Hälften teilen, sie versucht eine Kluft herzustellen, indem sie die Bevölkerung erschreckt und den politischen Parteien Angst macht, Wählerstimmen zu verlieren.
Mit einer solchen Handlung leiden einmal mehr die Flüchtlinge, welche wieder einmal ins soziale Abseits gedrängt werden.
Abgesehen davon wird es auch für Hilfsorganisationen in Calais schwieriger, sich mit Flüchtlingen an öffentlichen Orten zu treffen oder eine soziale Veranstaltung zu organisieren.
Es ist unmöglich geworden, einen Raum zur Verfügung gestellt zu bekommen und unmöglich, sich in jenem zu treffen.

Egal, welche Umstände es sind, sobald Flüchtlinge involviert sind, legt die Stadt Calais ein Veto ein und verhindert den Ausdruck der Solidarität auf Kosten der Menschenrechte.

Wir verurteilen diesen Machtmissbrauch und hoffen, dass diese kommunale Zensur nicht ohne Reaktion seitens anderer Hilfsorganisationen und Verbände bleiben wird.

Im französischen Originaltext wird dazu aufgerufen, sich nicht manipulieren zu lassen in den kommenden Kommunalwahlen (Frühjahr nächsten Jahres stehen die Wahlen an).

Wir rufen zu einem friedlichen Protest am Samstag, den 19.10.2013 um 14 Uhr auf.
Wir werden uns symbolisch mit einem Schal knebeln.